Besuch eines beringten Weißstorches im Sommer 2009
Am 30.05.2009 landete auf den
Leineweisen von Arenshausen ein Weißstorch, der auf Grund einer
Beinverletzung so manchen Wirbel ve
rursachte.
Durch die sehr langen Ampelwartephasen
an der Baustelle B 80, konnte er regelmäßig von den Verkehrssteilnehmern
beobachtet werden. So bekam unter anderem die FFW Arenshausen den
Auftrag den doch so kranken Storch einzufangen. Wie soll man aber einen
Storch fangen, der gut bei Kräften ist, zwar nicht gut laufen aber sehr
gut fliegen kann? In den kommenden Wochen hielt er sich meist auf frisch
gemähten Wiesen der Umgebung auf, um hier von Insekten, Mäusen und
Würmern zu ernähren.
Durch den Ring an seinem Fuß mit der
Aufschrift HELGOLAND 117P konnte er identifiziert werden. In
Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Helgoland und der freundlichen
Unterstützung von Dr. Hollensteiner, der den Storch seit seiner Geburt
an in Donop kennt, wurden einige interessante Inforationen
zusammengetragen.
Doch nun zu 117 P
Im Jahre 1989 haben die ersten 4 jungen
Störche in dem kleinen Dorf Donop, 96km NW von Arenshausen entfernt,
das Licht der Welt erblickt. In den letzten 18 Jahren sind inzwischen
fast 200 Jungstörche in Donop ausgeflogen und haben sich auf die Reise
in den Süden gemacht.
Die
meisten Störche fliegen über die Westroute in ihre Winterquartiere nach
Afrika, doch nicht der von uns beobachtete Storch 117P, der 1997 in
Donop geboren und im Alter von 3 Jahre an seinen Geburtsort
zurückkehrte. Er fliegt höchstwahrscheinlich die Ostroute über
Konstantinopel und die Sinaihalbinsel. Störche der Ostroute kommen in
der Regel später als die Westzieher, weil sie eine längere Reise haben
und durch ungünstige Witterungsverhältnisse oft aufgehalten werden.
Unser Storch (117P) kam 2000
erstmals im Alter von 3 Jahren nach Lippe zurück. Er wagte einen
vergeblichen Brutversuch in Blomberg – Siebenhöfen. Da sich kein
Weibchen bei ihm einfand, siedelte er im Laufe des Sommers nach Donop
um. Er sah sich hier alles an und zog im Herbst termingerecht in den
Süden.
2001 kehrte er am 29. April nach Donop
zurück und wollte unbedingt auf Hank´s Haus brüteten. Nach vergeblichen
Nestbauversuchen wurde ein sogenannter Dachreiter angebracht, den er
sofort annahm. Nun fehlte nur noch ein Weibchen. Da es schon spät im
Jahr war, warteten wir nicht auf ein wildes Weibchen, holten ein
3-jähriges Mädchen aus Elbrinxen und stellten es, mit einem Flügelriemen
vorläufig flugunfähig gemacht, auf die Storchenwiese. Nach wenigen
Stunden klapperten beide zusammen. Am nächsten Tag wurde der
Flügelriemen entfernt und beide hielten sofort Hochzeit auf dem Nest.
Sie zogen zusammen 3 Junge auf. 117P flog einige Tage nach seinen
Jungen in den Süden, während das Weibchen in Donop überwinterte.
2002 fand es bereits Anfang März einen
neuen Mann. Am 16. März beim Frühjahrsputz mit der Feuerwehr lagen
bereits 2 Eier im Nest. Am 3. Mai fanden wir morgens das Männchen ohne
äußere Verletzungen tot auf der Wiese. Eine Sektion erbrachte kein
eindeutiges Ergebnis. Am folgenden Tag, dem 4. Mai erschien 117P
am Nest und versuchte sein Nest samt Weibchen zurückzuerobern. Schnell
holte ein Dachdecker die Jungen aus dem Nest. Es waren 7 Junge
geschlüpft, von denen noch 6 lebten. Sie wurden von Hand aufgezogen und
konnten bereits im Juli abziehen. Das Weibchen legte noch einmal Eier
und zog mit 117P noch 3 weitere Junge auf. Die Jungen zogen mit
ihrem Vater, der sie immer noch fütterte, Mitte September ab.
Das Weibchen überwinterte wieder in
Donop.
2003 fand sich wiederum ein schnellerer
Mann ein. 117P kehrte jedoch zurück, wieder sehr spät, erst Ende
April. Es kam zu einem heftigen Kampf zwischen den Männern. 117P
warf bereits bei den ersten Anf
lügen
auf das Nest die Eier heraus. Während sich das Weibchen in die Nestmulde
drückte und sich nicht einmischte, kämpften die Männchen mit
Schnabelhieben und Drängen vom Nest. Bei diesem Ringkampf auf dem Nest
brach sich der neue Mann ein Bein und wurde vertrieben. Das Weibchen
legte auch in diesem Jahr noch einmal und zog mit 117P wiederum 3
Junge auf, die fast termingerecht mit ihrem Vater abzogen.
2004 kehrt 117P am 22.04.aus
seinem Winterquartier zurück. Über Bruterfolge liegen keine Meldungen
vor.
Am 08.09.2004 wurde 117P das
letzte Mal von Dr. Horst Hollensteiner beobachtet. All die
detailierten Aufzeichnungen sind zum großem Teil Ihm zu verdanken .
2005 kehrte 117P nicht mehr
zurück, und sein Weibchen brütete inzwischen mit dem nächsten Mann,
diesmal unbehelligt von einem Nebenbuhler.
Abb.:Hier zu sehen: die Entzüdung mit Schwellung des rechten Fußgelenkes
Am 07.07.09 wurde von Dr. Horst Hollensteiner in der Nähe von Donop ein
hinkender Storch gesichtet. Es war 117P, der in der Nähe von
Arenshausen zum letzten Mal am 20.06.09 beobachtet worden war. Am
Freitag (24.7.2009) wurde er mit
Narkosemittel eingefangen und medizinisch behandelt. Nach der Genesung
wurde er wieder freigelassen.
Fotos und Text
Stephan Zinke
In Zusammenarbeit mit unserem Beringer
Andreas Goedecke, der Vogelwarte Helgoland und Dr. Hollensteiner,
Donop