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Beringung im Eichsfeld                

Die wissenschaftliche Vogelberingung hat im Eichsfeld lange Tradition. Der Ornithologe Hans Müller beringte bereits 1924 Vögel mit Ringen der Vogelwarte Rossitten. Später wurden Ringe von Helgoland benutzt. Seit 1964 betreut die Beringungszentrale Hiddensee die Eichsfelder Beringer.

 

Kuckucksweibchen der seltenen braunen Morphe,

06.Mai 2006 am Klärteich Reifenstein

 

 

Mathias Mähler (li.) und Andreas Goedecke beim Beringen einer Nebelkrähe

 

Unsere Beringer Andreas Goedecke, Wachstedt, Mathias Mähler, Lengenfeld/ Stein und Cliff Riesmeier, Bernterode (Breitenworbis) arbeiten an unterschiedlichen Beringungsprogrammen:

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Gebirgsbachvögel (Wasseramsel, Gebirgsstelze, Eisvogel)

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Integriertes Singvogelmonitoring (IMS) "Klärteich Reifenstein"

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Monitoring und Artenhilfsprogramm Schleiereule

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Internationales Greifvogelmonitoring

 

PDF-Dateien:

Beringungsstatistik 2007

Beringungsstatistik 2008

Beringungsstatistik 2009

Beringungsstatistik 2010

Interessante Wiederfunde 2007

Interessante Wiederfunde 2008

Interessante Wiederfunde 2009

Interessante Wiederfunde 2010

 

Besuch eines beringten Weißstorches im Sommer 2009

Am 30.05.2009 landete auf den Leineweisen von  Arenshausen ein Weißstorch, der auf Grund einer Beinverletzung so manchen Wirbel verursachte.

Durch die sehr langen Ampelwartephasen an der Baustelle B 80, konnte er regelmäßig von den Verkehrssteilnehmern beobachtet werden. So bekam unter anderem die FFW Arenshausen den Auftrag den doch so kranken Storch einzufangen. Wie soll man aber einen Storch fangen, der gut bei Kräften ist, zwar nicht gut laufen aber sehr gut fliegen kann? In den kommenden Wochen hielt er sich meist auf frisch gemähten Wiesen der Umgebung auf, um hier von Insekten, Mäusen und Würmern zu ernähren.

Durch den Ring an seinem Fuß mit der Aufschrift HELGOLAND 117P konnte er identifiziert werden. In Zusammenarbeit mit  der Vogelwarte Helgoland  und der freundlichen Unterstützung von  Dr. Hollensteiner, der den Storch seit seiner Geburt an in Donop kennt, wurden einige interessante Inforationen zusammengetragen.

 

 

 

Doch nun zu 117 P

Im Jahre 1989 haben die ersten 4 jungen Störche in dem kleinen Dorf Donop, 96km NW von Arenshausen entfernt,  das Licht der Welt erblickt. In den letzten 18 Jahren sind inzwischen fast 200 Jungstörche in Donop ausgeflogen und haben sich auf die Reise in den Süden gemacht.

Die meisten Störche fliegen über die Westroute in ihre Winterquartiere nach Afrika, doch nicht der von uns beobachtete Storch 117P,  der 1997 in Donop geboren und im Alter von 3 Jahre an seinen Geburtsort zurückkehrte. Er fliegt höchstwahrscheinlich die Ostroute über Konstantinopel und die Sinaihalbinsel. Störche der Ostroute kommen in der Regel später als die Westzieher, weil sie eine längere Reise haben und durch ungünstige Witterungsverhältnisse oft aufgehalten werden.

Unser Storch (117P) kam 2000 erstmals im Alter von 3 Jahren nach Lippe zurück. Er wagte einen vergeblichen Brutversuch in Blomberg – Siebenhöfen. Da sich kein Weibchen bei ihm einfand, siedelte er im Laufe des Sommers nach Donop um. Er sah sich hier alles an und zog im Herbst termingerecht in den Süden.

2001 kehrte er am 29. April nach Donop zurück und wollte unbedingt auf Hank´s Haus brüteten. Nach vergeblichen Nestbauversuchen wurde ein sogenannter Dachreiter angebracht, den er sofort annahm. Nun fehlte nur noch ein Weibchen. Da es schon spät im Jahr war, warteten wir nicht auf ein wildes Weibchen, holten ein 3-jähriges Mädchen aus Elbrinxen und stellten es, mit einem Flügelriemen vorläufig flugunfähig gemacht, auf die Storchenwiese. Nach wenigen Stunden klapperten beide zusammen. Am nächsten Tag wurde der Flügelriemen entfernt und beide hielten sofort Hochzeit auf dem Nest. Sie zogen zusammen 3 Junge auf. 117P flog einige Tage nach seinen Jungen in den Süden, während das Weibchen in Donop überwinterte.

2002 fand es bereits Anfang März einen neuen Mann. Am 16. März beim Frühjahrsputz mit der Feuerwehr lagen bereits 2 Eier im Nest. Am 3. Mai fanden wir morgens das Männchen ohne äußere Verletzungen tot auf der Wiese. Eine Sektion erbrachte kein eindeutiges Ergebnis. Am folgenden Tag, dem 4. Mai erschien 117P am Nest und versuchte sein Nest samt Weibchen zurückzuerobern. Schnell holte ein Dachdecker die Jungen aus dem Nest. Es waren 7 Junge geschlüpft, von denen noch 6 lebten. Sie wurden von Hand aufgezogen und konnten bereits im Juli abziehen. Das Weibchen legte noch einmal Eier und zog mit 117P noch 3 weitere Junge auf. Die Jungen zogen mit ihrem Vater, der sie immer noch fütterte, Mitte September ab.

Das Weibchen überwinterte wieder in Donop.

2003 fand sich wiederum ein schnellerer Mann ein. 117P kehrte jedoch zurück, wieder sehr spät, erst Ende April. Es kam zu einem heftigen Kampf zwischen den Männern. 117P warf bereits bei den ersten Anflügen auf das Nest die Eier heraus. Während sich das Weibchen in die Nestmulde drückte und sich nicht einmischte, kämpften die Männchen mit Schnabelhieben und Drängen vom Nest. Bei diesem Ringkampf auf dem Nest brach sich der neue Mann ein Bein und wurde vertrieben. Das Weibchen legte auch in diesem Jahr noch einmal und zog mit 117P wiederum 3 Junge auf, die fast termingerecht mit ihrem Vater abzogen.

 

2004 kehrt 117P am 22.04.aus seinem Winterquartier zurück. Über Bruterfolge liegen keine Meldungen vor.

Am 08.09.2004 wurde  117P das letzte Mal von Dr. Horst Hollensteiner  beobachtet.  All die  detailierten Aufzeichnungen sind zum großem Teil Ihm zu verdanken .

2005 kehrte 117P nicht mehr zurück, und sein Weibchen brütete inzwischen mit dem nächsten Mann, diesmal unbehelligt von einem Nebenbuhler.

 

 

Abb.:Hier zu sehen: die Entzüdung mit Schwellung des rechten Fußgelenkes

 

Am 07.07.09 wurde von Dr. Horst Hollensteiner in der Nähe von Donop ein hinkender Storch gesichtet. Es war 117P, der in der Nähe von Arenshausen zum letzten Mal am 20.06.09 beobachtet worden war. Am Freitag (24.7.2009) wurde er mit Narkosemittel eingefangen und medizinisch behandelt. Nach der Genesung wurde er wieder freigelassen.

 

Fotos und Text

Stephan Zinke

 

In Zusammenarbeit mit unserem Beringer Andreas Goedecke, der Vogelwarte Helgoland  und Dr. Hollensteiner,  Donop

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Stand: 12.08.11